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Eveline Hasler - Anna Göldin, letzte Hexe

Das Schicksal von Anna Göldin

Anna Göldin wurde 1734 in einer Familie armer Schweizer Bauern geboren und arbeitet ab ihrem vierzehnten Lebensjahr als Dienstmädchen. Sie fällt bei ihren Stellungen in teilweise sehr reichen Haushalten dadurch auf, dass sie intelligent, relativ gebildet und stolz ist, sich gerne gut kleidet, auch mit Ende 40 noch trotz ihres arbeitsreichen Lebens schön ist und dichtes schwarzes Haar hat.

 

Zwei Mal wird sie schwanger, ein Mal von einem Gesellen, der sich als Söldner verdingt, als er davon erfährt. Sie bringt das Kind in ihrer eiskalten Kammer zur Welt, wickelt es in Tücher, wie sie es von einer ihrer Schwestern, einer Hebamme, gelernt hat,  und wird ohnmächtig. Ihre Arbeitgeber finden sie neben dem toten Kind liegend und sie wird des Kindsmordes angeklagt.

 

Schliesslich muss sie sechs Jahre bei einer ihrer Schwestern am Hof arbeiten und darf diesen nicht verlassen, was sie nur drei Jahre aushält und dann flieht, ohne verfolgt zu werden. Zum zweiten Mal wird sie schwanger, als sie eine Beziehung mit dem Sohn ihrer Dienstgeber beginnt; er möchte ihr Geld geben, was sie verweigert. Sei geht weg, um zu gebären, und gibt das Kind in Pflege, wo es bald stirbt. 1780 verdingt sie sich bei einem Arzt im Kanton Glarus und ist bald geschätzte Bezugsperson der Kinder, während die Ehefrau ihr mit Argwohn begegnet.

 

Plötzlich tauchen in der Milch einer Tochter, der Anna Maria, Stecknadeln auf. Die Hausfrau behauptet, Anna habe sie hinein getan, um dem Kind zu schaden, und jagt sie mit Schimpf und Schande aus dem Haus. Sie hatte zwar ihren Dienst im Hause Tschudi immer zur Zufriedenheit der Herrschaft verrichtet. Doch ihre starke Persönlichkeit, die sinnliche Ausstrahlung, die von ihr ausgeht, faszinierte und verstörte Kinder, Männer und Frauen gleichermassen. Deswegen war man froh, sie aus dem Haus zu haben.

 

 

Empört über das Unrecht wendet sich Anna an den Pfarrer, doch 18 Tage danach beginnt das Mädchen, Nadeln zu erbrechen. Im schweizerischen Glarus geht das Gerücht um, Anna-Miggeli, die zweitälteste Tochter des Doktors und Dorfrichters Tschudi, sei verhext. Seit Wochen hat das Kind furchtbare Krämpfe. Unter Qualen spuckt es insgesamt über 100 Stecknadeln aus.

 

Man fahndet nun nach Anna Göldin, als ob sie das Kind mit Nadeln gefüttert hätte. Jetzt glaubt man, dass Anna Göldin aus Rache das Kind verhext hat. Der Rat von Glarus schickt einen Boten aus, der Anna gefangen nehmen soll. Rechtzeitig gewarnt kann sie ins Toggenburg entkommen, wo sie zunächst untertauchen und unter falschem Namen in einer Gastwirtschaft arbeiten kann. Doch als sie dort, weil sie zwar lesen, aber nicht schreiben kann, einem Lehrer einen Brief an Freunde diktiert, erkennt dieser, dass sie eine Gesuchte ist, und verrät sie. Sie wird gefangen genommen und man weiss zunächst nicht, was man mit ihr tun soll.

 

Anna Maria spuckt weiterhin Nadeln verschiedenster Art und wird von gelehrten Männern bestaunt. Nur wenige halten es für Unsinn, dass Anna Göldin die Hände im Spiel haben könnte, doch das Kind wird nicht näher untersucht. Man fordert Anna auf, dem Mädchen zu helfen, und so erfährt sie erst, was man ihr vorwirft. Zugleich steckt sie in der Falle, wenn sie es versucht, weil dann ja erwiesen ist, dass sie über Zauberkräfte verfügt. Tut sie es nicht, so wird der Scharfrichter geholt. Sie entscheidet sich dafür, sich das Kind anzusehen, und schafft es, sein "linkes ungesundes Beinlein" (so die Gerichtsakte) wieder beweglich zu machen, durch Betasten und Hin- und Herbewegen. Von Ärzten liess sich das Mädchen, das sich am engsten an Anna angeschlossen hatte, nicht berühren, ohne zu schreien; von Anna aber widerstandslos "behandeln". Der "Heilungsversuch" wird noch mehrere Male wiederholt, stets vor Zeugen und protokolliert. Das Mädchen kann wieder gehen, und es spuckt auch keine Nadeln mehr, dafür aber Lügen.

 

Anna Göldin wird zunächst "gütlich" verhört, dann gefoltert. Zugleich mit ihr auch ein Freund und Apotheker, der Bücher mit Kräuterrezepten besass, sich aber, bevor ihm alle Geheimnisse entrissen werden konnten, in seiner Zelle erhängte. Anna wird mit 32 zu 30 Stimmen zum Tod durch das Schwert verurteilt und am 18.Juni 1782 als letzte "Hexe" der Schweiz hingerichtet.

 

Die Schweizer Schriftstellerin Eveline Hasler, geboren in Glarus, erinnert an sie im Roman "Anna Göldin" (dtv Taschenbuch), der auch (von Gertrud Pinkus) verfilmt wurde.

 

 



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